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23.02.2013 16:14 Uhr
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Die alte Weide

Die alte Weide

Ich bin die Seele der Weide

Ich bin die Seele der Weide

Der Eisgraue

Der Eisgraue

Das Rebhuhn

Das Rebhuhn

Der Sperber

Der Sperber

Der Alte

Der Alte

Schiefgesicht

Schiefgesicht

Dreiecksgesichtmonster

Dreiecksgesichtmonster

Halbgesicht

Halbgesicht

Die alte Weide - letzte Zuflucht

Durch deine Erzählung leben wir weiter

Ra­schen Schritts folgt der Wan­de­rer dem Weg. Es war ein kal­ter Win­ter­tag und es ging schon auf den Abend zu. Am Weg­rand eine al­te, mäch­tige Wei­de. Hoch auf­ge­schos­sen. Doch stark ver­letzt. Sie flüs­tert dem Wan­dere zu:
„Hab acht, hier bin ich. Ja, hier oben. Wenn du em­por schaust, kannst du mich se­hen. Ich bin der Al­te, die Seele der Wei­de. Vie­len biete ich ein Dach ü­ber dem Kopf. Ohne An­se­hen der Per­son. Schau mich an. Schau in mich hin­ein. Du fin­dest sie alle an ih­rem Platz. Den Eis­grau­en, Schief­ge­sicht, das Drei­ecks­mons­ter und Halb­ge­sicht, Reb­huhn und Sper­ber als Ver­tre­ter der Vö­gel. Früher war noch ein See­pferd­chen hier als Ver­tre­ter der Mee­res­tie­re. Es ist dem letz­ten Sturm zum Op­fer ge­fal­len, wie mein großer lin­ker Ast. Der Sturm hat ihn mir ab­ge­ris­sen. Jetzt sind die Woh­nun­gen ein we­nig feucht.“
­Der Wan­de­rer war ste­hen ge­blie­ben. Denn das Flüs­tern des Baums zog ihn in sei­nen Bann. Er hörte ge­spannt hin. „­Geh leiste den Be­woh­nern Ge­sell­schaft. Es ist et­was ein­sam hier draußen. Sprich mit ih­nen. Sie sind dank­bar für je­den Be­such.“
­Der Durch­rei­sende trat auf den hoh­len Baum zu und blickte durch die Bre­sche, wel­che der Wind ge­schla­gen hatte als er den Ast ab­riss, in den Stamm hin­ein. Es roch ein we­nig nach Mo­der. Kein Wun­der, denn der Baum war in­nen ganz hohl, nur noch eine dün­ner Zy­lin­der aus Rinde und Holz trug die mäch­tige Krone der Wei­de.
Nach­denk­lich be­grüßte der Wan­de­rer die Be­woh­ner. Dann nach ei­ner Weile der Stille sagte er, halb­laut, so als dürfe es nie­mand hören: „­Den nächs­ten Sturm wer­det ihr alle nicht mehr ü­ber­le­ben.“
„Ja“, stimm­ten die Be­woh­ner und die Weide zu. „Ja, un­sere Zeit ist ab­ge­lau­fen. Darum war es auch so wich­tig, noch ein­mal mit je­man­dem zu spre­chen und uns zu ver­ab­schie­den. Wir dan­ken dir, dass du trotz dei­ner Eile Zeit für uns hat­test. Jetzt mag der Sturm kom­men und uns hin­weg­fe­gen. Das ist nicht schlimm. Denn durch dich und deine Erzäh­lung le­ben wir wei­ter.“

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Leserreporter: Ullrich Rockahr
Rubrik: hörbar
Schlagworte: "Wanderer", "Weide", "Zuflucht":


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