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Bewertung: 5,0
27.10.2014 13:51 Uhr
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Carrie nach der Tragödie

Carrie nach der Tragödie

Carrie- das schüchterne Mädchen. Bild mit Genehmigung vom Theater Minden

Carrie- das schüchterne Mädchen. Bild mit Genehmigung vom Theater Minden

Carrie setzt ihre Fähigkeiten bei ihrer Mutter ein und tötet sie damit. Bild mit Genehmigung vom Theater Minden

Carrie setzt ihre Fähigkeiten bei ihrer Mutter ein und tötet sie damit. Bild mit Genehmigung vom Theater Minden

Sue und Thommy, das lyrische Paar.

Sue und Thommy, das lyrische Paar.

Chris und Billy, das rebellische Paar.

Chris und Billy, das rebellische Paar.

Miss Gardner und Mr Stephens, die Lehrer

Miss Gardner und Mr Stephens, die Lehrer

Carrie und ihre fanatische Mutter

Carrie und ihre fanatische Mutter

Die gesamte Crew beim Schlussapplaus

Die gesamte Crew beim Schlussapplaus

Carrie-Das Musical. Geht das und muss das sein?

Ein Besuch im Theater beantwortet alle Fragen

Soll man wirk­lich aus al­lem ein Mu­si­cal ma­chen? Diese Frage wurde ei­ner Be­kann­ten von mir auf Fa­ce­book ge­stellt, als sie ih­ren Be­such im Stadt­thea­ter Min­den ankün­dig­te. Auch ich stelle mir öf­ter diese Fra­ge, wenn ich le­se, dass es ein neues Mu­si­cal gibt, nach­dem Buch, TV-Film und di­verse Hör­spiel-CDs sich als er­trag­reich er­wie­sen ha­ben. Als Fan von Ste­phen King, der den Hor­ror­klas­si­ker „­Car­rie“ schrieb und 1974 ver­öf­fent­licht wur­de, war ich ge­spannt dar­auf, ob die­ses Stück mich mit­reißen wür­de. 1988 wurde es am Broad­way auf­ge­führt und floppte nach nur fünf Vor­stel­lun­gen. Nun wagte sich Prof. Sa­scha Wien­hau­sen mit dem In­sti­tut für Mu­sik der Hoch­schule Os­na­brück in deut­scher Erstaufführung an das Stück. Zwei Auf­führun­gen wa­ren in Min­den, zwei wer­den noch in Os­na­brück fol­gen. Ich hatte mich für den zwei­ten Ter­min in Min­den am Sonn­tag, den 26. 10.2014 ent­schie­den. Lei­der! Wäre ich Sams­tag schon in der Vor­stel­lung ge­we­sen, hätte ich Sonn­tag noch ein­mal ge­hen kön­nen; so be­geis­tert hat mich die Auf­führung. Die Vor­stel­lung war mit vie­len jun­gen Zu­schau­ern ge­füllt und die Laut­stärke im Saal un­ge­wöhn­lich hoch. Von Nuria Mundry (die „­Sue Snell“ spielte und eine der we­ni­gen Ü­ber­le­ben­den in dem Stück ist) nahm auf der Bühne beim Ein­lass kaum ei­ner No­tiz. Man sah sie leicht pa­nisch mit wir­rem Blick Zet­tel schrei­ben. Das Mu­si­cal be­ginnt prak­tisch am En­de: beim po­li­zei­li­chen Ver­hör be­rich­tet „­Sue Snell“, was vor der Tragö­die pas­siert ist und wie al­les um „­Car­rie Whi­te“ (ge­spielt von ei­ner gran­dio­sen Isa­bel Walts­gott) im­mer schlim­mer wur­de.
­Schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten wa­ren auch die Ju­gend­li­chen im Thea­ter still. Viel­leicht ge­dank­lich an ih­rer ei­ge­nen Schule und mit Par­al­le­len Im Kopf zu dem Stück, was sie ge­rade sa­hen.
- „­Car­rie“, 16 Jahre alt, be­kommt nach dem Sport­un­ter­richt ihre erste Re­gel­blu­tung. Von ih­rer Mut­ter, ei­ner re­li­giö­sen Fa­na­ti­ke­rin, nicht auf­ge­klärt, wird sie zum Ge­spött ih­rer Mit­schü­le­rin­nen. An­statt von der al­lein­er­zie­hen­den Mut­ter Trost und Hilfe zu be­kom­men, wird sie kalt ab­ge­wie­sen und soll Buße tun, da die Rei­fung zur Frau Sünde sei. „­Car­rie“ ent­deckt ihre te­le­ki­ne­ti­schen Fähig­kei­ten, die aber in die­ser Büh­nen­fas­sung bis zum Ende gar nicht so sehr im Vor­der­grund ste­hen. Mob­bing durch Mit­schü­ler und Leh­rer, die nicht wirk­lich wis­sen, wie sie da­mit um­ge­hen sol­len, ma­chen das Stück lei­der sehr ak­tu­ell. Auch die Mut­ter ist ü­ber­for­dert mit ih­rer jet­zi­gen Si­tua­tion und sucht für sich die Hilfe in der Re­li­gion. Sie liebt ihre Toch­ter „­Car­rie“ und will sie ei­gent­lich nur da­vor behüten, was ihr sel­ber wi­der­fah­ren ist. Als „­Car­rie“ zum Schul­ab­schluss­ball ein­ge­la­den wird und auch ge­hen will, um end­lich ein­mal so zu sein wie alle an­de­ren Mäd­chen in ih­rem Al­ter, er­fährt man von der Ver­gan­gen­heit der Mut­ter. Und was für „­Car­rie“ dann der bis­lang schönste Mo­ment im Le­ben wer­den soll, wird zur rie­si­gen Ka­ta­stro­phe für die ge­samte Stadt. -
­Mob­bing, Lie­be, Er­wach­sen wer­den, ü­ber­for­derte Leh­rer und El­tern, Ra­che, Ver­letzt­heit, Re­li­gion und die Frage was pas­siert, wenn ich je­man­den aus­gren­ze, sind ei­nige Schlag­wör­ter der Ge­schichte des Mu­si­cals. Ge­spielt von ei­ner Cast, die fan­tas­tisch ist und ei­nem mehr als ein­mal Gän­se­haut ver­ur­sacht und ei­ner Mu­sik, die das Ganze wun­der­bar un­ter­malt. Nicht nur das Mu­si­cal ist et­was ganz Be­son­de­res, auch das Pro­gramm­heft ist an­ders als alle an­de­ren, die ich be­sit­ze. Am 14.11. und 03.12.2014 gibt es noch in Os­na­brück wei­tere Auf­führun­gen. Hof­fent­lich wird es noch wei­tere Ter­mine im nächs­ten Jahr ge­ben, denn die­ses Stück ist es wert, ge­se­hen zu wer­den!

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Leserreporter: Regina Tegeler
Rubrik: hörbar
Schlagworte: Carrie-Das Musical, Stadttheater Minden, Stephen King


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