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02.05.2017 21:06 Uhr
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Entscheidungen des Obersten Gerichts von Russland für Jehovas Zeugen nicht nachvollziehbar

Sel­ter­s/Ts. — Nach sechs Ver­hand­lungs­ta­gen in den letz­ten zwei Wo­chen gab das Oberste Ge­richt der Rus­si­schen Fö­de­ra­tion dem An­trag des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums statt, die Zen­trale von Je­ho­vas Zeu­gen in Russ­land und ihre 395 ört­li­chen Rechts­kör­per­schaf­ten auf­zulö­sen. Die Ent­schei­dung ist so­fort voll­zieh­bar.

Im Zweig­büro von Je­ho­vas Zeu­gen in Deutsch­land, das die an­geb­lich „­ex­tre­mis­ti­sche“ Li­te­ra­tur für Russ­land her­stellt, kann man diese Ent­schei­dung nicht nach­voll­zie­hen. „Un­sere Li­te­ra­tur wird von un­se­rem Zweig­büro aus in ü­ber 99 Län­der ver­sen­det und ü­ber­all als ge­setz­mäßig an­er­kannt. Der Wacht­turm er­scheint seit fast 140 Jah­ren. Zu­sam­men mit wei­te­ren Stand­orten ü­ber­all auf der Welt dru­cken wir je­den Mo­nat weit ü­ber 61 Mil­lio­nen Ex­em­plare in 302 Spra­chen. In un­se­ren Schrif­ten wer­den die bib­li­schen Grundsätze des Re­spekts vor al­len Men­schen, der Nächs­ten­liebe so­wie der Fried­fer­tig­keit und Ge­walt­lo­sig­keit ge­lehrt. Wir wei­sen die Ent­schei­dung des Obers­ten Ge­richts, die sich nicht auf Be­weise stützt, ent­schie­den zurück“, so Wer­ner Rudt­ke, Spre­cher von Je­ho­vas Zeu­gen.

Das Ver­fah­ren um die An­er­ken­nung als Kör­per­schaft des öf­fent­li­chen Rechts lief in Deutsch­land ü­ber viele Jah­re. Da­bei wur­den die Leh­ren und die Glau­ben­spra­xis von Je­ho­vas Zeu­gen in­ten­siv be­gut­ach­tet. „Das Ver­fah­ren lief durch alle In­stan­zen. Es wur­den alle Ar­gu­mente ge­gen Je­ho­vas Zeu­gen vor­ge­bracht, die man nur vor­brin­gen konn­te. Das Er­geb­nis hat ge­zeigt, dass sich Je­ho­vas Zeu­gen in je­der Weise recht­streu ver­hal­ten“, so Rudt­ke.

In Russ­land ga­ben al­ler­dings ört­li­che Straf­ver­fol­gungs­behör­den ge­fälschte „­Ex­per­ten­stu­dien“ in Auf­trag, die die will­kür­li­che Be­wer­tung vor­nah­men, die Pu­bli­ka­tio­nen wür­den die Ü­ber­le­gen­heit der Ü­ber­zeu­gun­gen der Zeu­gen Je­ho­vas ü­ber an­dere Re­li­gio­nen för­dern. Auf­grund die­ses Haupt­vor­wurfs wur­den die Pu­bli­ka­tio­nen für „­ex­tre­mis­tisch“ er­klärt. Ver­bo­ten wurde un­ter an­de­rem das Kin­der­buch Mein Buch mit bib­li­schen Ge­schich­ten so­wie die 32-sei­tige Bro­schüre Höre auf Gott, die le­dig­lich Bil­der und ein­zelne Bi­bel­texte enthäl­t.

Rechts­an­walt Ar­min Pi­kl, ein Ver­tre­ter des Ver­lags von Je­ho­vas Zeu­gen in Deutsch­land, hat selbst Er­fah­rung mit der An­wen­dung des Ex­tre­mis­mus­ge­set­zes in Russ­land ge­macht. Er er­klärt: „Das Pro­blem ist, dass nie­mand im Vor­aus weiß, was rus­si­sche Behör­den oder Ge­richte als ex­tre­mis­tisch be­wer­ten. Dies wird will­kür­lich fest­ge­legt und er­folgt ohne jede Ab­wä­gung der Mei­nungs- oder der Glau­bens­frei­heit. Diese Vor­ge­hens­weise miss­ach­tet nicht nur den Grund­satz der Be­stimmt­heit des Ge­set­zes. Sie leug­net auch alle ver­fas­sungs- und men­schen­recht­li­chen Frei­hei­ten, die die Grund­lage für eine de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft bil­den. Dann müsste jede Ü­ber­zeu­gung oder Ideo­lo­gie, die der Auf­fas­sung ei­nes An­de­ren wi­der­spricht, als ex­tre­mis­tisch ein­ge­stuft wer­den.“

Hei­ner Bie­le­feldt, ehe­ma­li­ger UN-Son­der­be­richt­er­stat­ter ü­ber Re­li­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­frei­heit, stellt fest: „Ich mei­ne, wenn Je­ho­vas Zeu­gen Ex­tre­mis­ten sind, sind wir es al­le.“ Das Zweig­büro von Je­ho­vas Zeu­gen in Deutsch­land und ihre Glau­bens­brü­der welt­weit hof­fen, dass der Ap­pel­la­ti­ons­se­nat des Obers­ten Ge­richts die Ge­le­gen­heit nut­zen wird, die Ent­schei­dung er­neut zu prü­fen und das Un­recht zu be­sei­ti­gen.

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Leserreporter: Andreas Brungart
Rubrik: hautnah
Schlagworte: Deutschland, Jehovas Zeugen, Russland


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